Fränkisches Spitalmuseum Aub

Spital und Museum

Eindrucksvoll erhebt sich am Rande der Altstadt Aubs der geschlossene Baukomplex eines fränkischen Landspitals, das auf eine mehr als 600jährige Geschichte zurückblicken kann.

Gotischer Kernbau, echterzeitlicher Pfründnerbau und neugotische Spitalkirche stellen bereits selbst ein herausragendes Ausstellungsstück dar, ausgezeichnet mit dem Denkmalpreis 2002 des Bezirks Unterfranken.


Sozialasyl und Pilgerherberge

Unter dem Eindruck der Großen Pest stiftete 1355 der fränkische Adelige Gottfried II. von Hohenlohe-Brauneck ein Spital für Arme, Bedürftige und Pilger der nahen Heerstraße. Worin bestanden Alltag und Festtag der Pfründner, wie sah die Heilkunst der armen Leute aus, wie wandelte sich durch die Zeiten die Einstellung zu Alter und Tod?

Über Jahrhunderte folgte das Leben der Pfründner und Pfründnerinnen einem klosterähnlichen Rhythmus. Im Wechsel von Gebet, Arbeit und Mahlzeit sollten die Bewohner gemäß der Spitalordnung "in guter Ordnung leben", soweit "es ihnen möglich ist, die nötige Arbeit für das Haus tun" und nicht zuletzt "der Stifter und Wohltäter" gedenken.


Tradition und Wandel

Auf mehr als 500 m2 Ausstellungsfläche und einem ausgedehnten Hofareal präsentiert sich das Spital als ein wichtiger Ort vergangener Lebenswelten.

Als gebaute Caritas waren die Spitäler der Sorge um den Mit-menschen verpflichtet. Dies galt für die Mönche und Ritterorden ebenso wie für adelige und bürgerliche Stifter des späten Mittelalters. Tradition und Wandel dieser Idee münden in die Krankenhäuser, Altenheime und Hospize der Gegenwart.


Bett und Altar

Noch heute können wichtige Prinzipien des Spitalwesens beim Rundgang durch das Gebäude am Bau abgelesen werden. Vom Krankenzimmer ist der Blick auf das Gnadenbild der Kirche möglich, über mehrere Flure blieb im Alltag stets der Hauptaltar sichtbar.

Das mittelalterliche Prinzip des Spitals als einer Einheit von "Bett und Altar" - im Fränkischen Spitalmuseum Aub wird es erfahrbar. Großen Andrang verzeichnete die Spitalkirche, wenn das Gnadenbild der gotischen Pieta zum Anziehungspunkt einer Wallfahrt wurde. Votivgaben und tragbare Beichtstühle erlauben den Einblick in gelebte Volksfrömmigkeit.


Knechte, Mägde und Spitalmeister

Der umfangreiche Grundbesitz des Spitals sicherte den Fortbestand der frommen Stiftung. Als großer Wirtschaftsbetrieb besaß es Knechte, Mägde und Spitalmeister, von hier kamen Aufträge für das städtische Handwerk. Neben Geldtruhen und Rechentischen zeugt ein eigenes Spitalarchiv von ökonomischer Basis und täglicher Arbeit.


Kunst und Bildung aus Aub

Große Namen verbinden sich mit der kleinen Stadt an der Gollach. Teile des Spitals baute Balthasar Neumann. Aus Aub stammte die Bildhauerfamilie Auwera. Stolz hatte sich im späten Mittelalter der Begründer der wissenschaftlichen Volkskunde, Joannes Boemus Aubanus, nach seiner Heimatstadt benannt. Die Herkunft des spanischen Schriftstellers Max Aub lässt sich in die frühe jüdische Gemeinde des Ortes zurückverfolgen.

Aus Aub stammte Johann Adam Schmidt, der Arzt Beethovens, dem er eines seiner Werke widmete. In Aub wirkten kunstsinnige und gelehrte Geistliche. Pfründner wie fromme Handwerker bereicherten den Kirchenschatz, und noch heute erinnert die Schlimbach-Orgel der Spitalkirche an die Pflege der Musik.